EBITDA-Steigerung vor dem Unternehmensverkauf: Fallstudie eines Zulieferers

Wie durch strukturierte Maßnahmen die Ertragskraft und der Transaktionswert in 18 Monaten gesteigert werden konnten.

Die Steigerung des EBITDA ist einer der effektivsten Hebel, um den Unternehmenswert vor einem geplanten Verkauf nachhaltig zu erhöhen. In dieser anonymisierten Fallstudie wird aufgezeigt, wie ein mittelständischer Zulieferer durch gezielte operative und strategische Anpassungen seine Ertragskraft innerhalb von 18 Monaten stärkte. ## Ausgangslage: Maschinenbau-Zulieferer "TechParts GmbH" ### Das Unternehmen - **Branche:** Präzisionstechnik / Maschinenbau-Zulieferer - **Umsatz (Basis):** 12 Mio. € - **EBITDA:** 800.000 € (Marge: ca. 6,7 %) - **Belegschaft:** 85 Mitarbeitende - **Struktur:** Inhabergeführt, geplanter Rückzug aus Altersgründen ### Die Herausforderung Der Inhaber beabsichtigte, das Unternehmen innerhalb von zwei bis drei Jahren zu veräußern. Basierend auf einem marktüblichen Branchenmultiple von etwa 6,0x ergab sich ein geschätzter Unternehmenswert von rund 4,8 Mio. €. Dieser Zielwert lag deutlich unter den Erwartungen des Verkäufers, was eine strukturierte Phase der [EBITDA-Bereinigung](ebitda-bereinigung-praxis) und operativen Optimierung erforderlich machte. ### Phase 1: Analyse und Bereinigung (Monat 1–3) Im ersten Schritt wurden nicht betriebsnotwendige Kosten identifiziert. Die EBITDA-Bereinigung ergab etwa 150.000 € an sogenannten Add-Backs (darunter private Anteile an Firmenwagen und überdurchschnittliche Inhaberbezüge). Das bereinigte EBITDA stieg damit rechnerisch auf 950.000 €, lag jedoch mit einer Marge von unter 8 % weiterhin unter dem relevanten Branchendurchschnitt [QUELLE_ERFORDERLICH]. ### Phase 2: Operative Hebel (Monat 4–9) **Maßnahme 1: Strategische Preisanpassung** Einführung einer wertorientierten Preisgestaltung (Value-Based Pricing) bei Vertragsneuverhandlungen. Durch eine durchschnittliche Anpassung von etwa 4,5 % konnte der EBITDA-Beitrag substanziell erhöht werden, ohne nennenswerte Kundenabwanderungen zu verzeichnen. **Maßnahme 2: Einkaufsoptimierung** Neuverhandlung der Konditionen mit den fünf größten Lieferanten sowie die Qualifizierung alternativer Bezugsquellen für C-Teile. Dies führte zu einer Senkung der Materialaufwandsquote um ca. 3,8 %. **Maßnahme 3: Kostenstellen-Audit** Kündigung nicht genutzter Softwarelizenzen und Teil-Untervermietung nicht benötigter Büroflächen zur Reduktion des Overheads. ### Phase 3: Strukturelle Neuausrichtung (Monat 10–18) **Maßnahme 4: Optimierung des Produktportfolios** Fokussierung auf margenstarke Spezialkomponenten mit einem Deckungsbeitrag (DB) von über 40 %. Produkte mit geringerer Wertschöpfung wurden teilweise externalisiert, um Kapazitäten für margenstärkere Aufträge freizugeben. **Maßnahme 5: Digitalisierung der Prozesse** Modernisierung der ERP-Schnittstellen zur automatisierten Angebotserstellung und Integration einer digitalen Qualitätskontrolle zur Senkung der Ausschussrate. ### Ergebnis nach 18 Monaten Die folgende Übersicht zeigt die Entwicklung der Kernkennzahlen. Bitte beachten Sie, dass solche Ergebnisse von individuellen Marktfaktoren abhängen und im Einzelfall geprüft werden müssen. | Kennzahl | Vor Optimierung | Nach 18 Monaten | Veränderung | | :--- | :--- | :--- | :--- | | Umsatz | 12,0 Mio. € | 12,8 Mio. € | + 6,7 % | | Bereinigtes EBITDA | 950.000 €* | 1.650.000 € | + 73,7 % | | EBITDA-Marge | ca. 7,9 % | ca. 12,9 % | + 5,0 PP | | Indikativer Wert (6x) | 5,7 Mio. € | 9,9 Mio. € | + 4,2 Mio. € | *nach initialer Bereinigung* ### Fazit für Verkäufer 1. **Pricing als Ertragshebel:** Die [strategische Preisgestaltung](preisgestaltung-exit) ist häufig der schnellste Hebel zur Margenverbesserung. 2. **Kombinationseffekte:** Erst das Zusammenspiel aus Kostendisziplin und Portfoliomanagement führt zu einer signifikanten Bewertungssprung. 3. **Zeitfaktor:** Ein Vorlauf von 18 bis 24 Monaten ist ideal, um die Nachhaltigkeit der Erträge für potenzielle Käufer belastbar nachzuweisen. 4. **Transaktionssicherheit:** Eine saubere Dokumentation der durchgeführten Optimierungen ist essenziell für die Due Diligence. Stand: Mai 2026. Regulatorische Anforderungen und Marktumfelder können sich ändern und sollten im Einzelfall geprüft werden.