Working Capital optimieren: Cash freisetzen für mehr Unternehmenswert
DSO, DIO und DPO – die drei Stellschrauben des Working Capital
## Was ist Working Capital und warum ist es wichtig?
Working Capital = Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten
Es ist das Kapital, das in Ihrem operativen Geschäft gebunden ist. Zu viel Working Capital = zu viel Kapital, das keine Rendite erwirtschaftet. Bei der Unternehmensbewertung wird ein "normales" Working Capital als Referenz herangezogen.
### Die 3 Stellschrauben
**1. DSO – Days Sales Outstanding (Forderungslaufzeit)**
Wie lange dauert es, bis Ihre Kunden zahlen?
- Durchschnitt deutscher KMU: 35–45 Tage
- Best Practice: 25–30 Tage
- **Maßnahmen:** Kürzere Zahlungsziele, Skonto-Anreize, professionelles Mahnwesen, Factoring prüfen
**2. DIO – Days Inventory Outstanding (Lagerdauer)**
Wie lange liegt Ware im Lager, bevor sie verkauft wird?
- Durchschnitt: 40–60 Tage (je nach Branche)
- **Maßnahmen:** ABC-Analyse der Bestände, Just-in-Time-Lieferung, Slow-Mover identifizieren und abbauen
**3. DPO – Days Payable Outstanding (Verbindlichkeitenlaufzeit)**
Wie schnell bezahlen Sie Ihre Lieferanten?
- Durchschnitt: 30–40 Tage
- **Maßnahmen:** Zahlungsziele voll ausschöpfen (ohne Lieferantenbeziehung zu gefährden), Zahlungsläufe optimieren
### Cash Conversion Cycle
CCC = DSO + DIO – DPO
**Beispiel:**
- DSO: 42 Tage + DIO: 55 Tage – DPO: 35 Tage = CCC: 62 Tage
- Bei 10 Mio. € Umsatz: 62/365 × 10.000.000 = **1.698.630 € gebundenes Kapital**
**Optimiert:**
- DSO: 30 Tage + DIO: 40 Tage – DPO: 40 Tage = CCC: 30 Tage
- Gebundenes Kapital: **821.918 €**
- **Freigesetztes Cash: 876.712 €**
### Working Capital und Unternehmenswert
Bei der Kaufpreisberechnung wird eine "Normal-Working-Capital"-Anpassung vorgenommen:
- Ist das Working Capital zum Closing höher als "normal": Kaufpreis steigt
- Ist es niedriger: Kaufpreis sinkt
Daher ist die Optimierung des Working Capital eine direkte Wertschöpfungsmaßnahme.
### Quick Wins
1. Rechnungen sofort nach Leistungserbringung stellen (nicht am Monatsende)
2. Automatisiertes Mahnwesen implementieren
3. Skonto bei Zulieferern nur nutzen, wenn finanzmathematisch sinnvoll
4. Lagerbestände quartalsweise reviewen und Slow-Mover abverkaufen
5. Vorauszahlungen bei Neukunden oder Großaufträgen einführen
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