W&I-Versicherung bei M&A-Transaktionen: Haftungsrisiken professionell absichern
Wie Warranty & Indemnity Insurance den Verhandlungsprozess im Mittelstand objektiviert.
Bei komplexen M&A-Transaktionen im Mittelstand stellen Garantien und Gewährleistungen häufig eine Hürde im Verhandlungsprozess dar. Eine Warranty & Indemnity Insurance (W&I) ermöglicht es, diese Haftungsrisiken auf einen externen Versicherer zu übertragen und so die Interessen von Verkäufer und Käufer in Einklang zu bringen.
## Was ist eine W&I-Versicherung?
Eine Warranty & Indemnity Insurance (W&I-Versicherung) ist eine spezialisierte Transaktionsversicherung, die Ansprüche aus betrieblichen Garantieverletzungen im Kaufvertrag (SPA) absichert. Sie hat sich in den letzten Jahren bei Transaktionen mit einem Enterprise Value ab etwa 5 Mio. € zu einem etablierten Instrument entwickelt, um Verhandlungen zu beschleunigen und die persönliche Haftung der Verkäufer zu reduzieren.
### Strategische Vorteile für den Verkäufer
- **Realisierung eines Clean Exit:** Durch die Versicherung können die persönlichen Haftungshöchstgrenzen im Kaufvertrag oft auf einen symbolischen Betrag (z. B. 1 €) reduziert werden.
- **Unmittelbare Liquidität:** Da der Versicherer das Ausfallrisiko übernimmt, kann in vielen Fällen auf einen Kaufpreiseinbehalt (Escrow-Konto) verzichtet werden. Dies erhöht den direkt verfügbaren Nettoerlös nach dem Closing.
- **Objektivierung der Verhandlungen:** Streitpunkte über die Tiefe und Dauer von Garantien werden entschärft, da die finale Risikoabsicherung durch die Versicherungspolice erfolgt.
- **Nachfolgeplanung:** Besonders bei Erbengemeinschaften oder dem Rückzug in den Ruhestand bietet die W&I-Versicherung Schutz vor langjährigen Rückgriffsansprüchen, die die persönliche Finanzplanung gefährden könnten.
### Kostenstruktur und Marktstandards
| Parameter | Typische Ausgestaltung (Indikation) |
| :--- | :--- |
| **Einmalprämie** | Häufig zwischen 1,0 % und 1,8 % der Versicherungssumme |
| **Selbstbehalt** | Oftmals im Bereich von 0,5 % bis 1,0 % des Kaufpreises |
| **Versicherungssumme** | In der Regel 10 % bis 30 % des Enterprise Value |
| **Laufzeit** | Orientiert an den Verjährungsfristen (meist 2-3 Jahre für operative, bis zu 7 Jahre für steuerliche Garantien) |
Die Kosten werden im Mittelstand häufig zwischen Käufer und Verkäufer geteilt oder als Bestandteil der Transaktionskosten in die Kaufpreisbrücke eingerechnet.
### Der strukturierte Prozess zur Policierung
1. **Indikationsphase:** Übermittlung der Eckdaten des Deals an spezialisierte Versicherungsmakler. Erstellung von unverbindlichen Angeboten (Non-Binding Indicators) innerhalb weniger Werktage.
2. **Selektion & Underwriting:** Auswahl des Versicherers und Beginn des Due-Diligence-Prozesses durch den Versicherer. Hierbei prüft der Versicherer die Qualität der durchgeführten Verkäufer- oder Käufer-Due-Diligence.
3. **Prüfungsphase:** Ein ca. zwei- bis dreiwöchiges Underwriting, in dem der Versicherer Detailfragen zum Datenraum stellt.
4. **Signing & Closing:** Die Versicherungspolice tritt zeitgleich mit der Unterzeichnung des Kaufvertrags (Signing) in Kraft.
### Typische Ausschlüsse (Nicht versicherbare Risiken)
Versicherer decken in der Regel nur unvorhersehbare Risiken ab. Folgende Bereiche sind daher meist vom Deckungsumfang ausgeschlossen:
- **Bekannte Risiken:** Sachverhalte, die bereits in der Due Diligence identifiziert oder im Datenraum offengelegt wurden (Disclosed Matters).
- **Zukunftsgerichtete Aussagen:** Garantien über das Erreichen künftiger Umsatz- oder Gewinnziele.
- **Umwelt- und Altlasten:** Hierfür existieren oft separate Versicherungslösungen (Environmental Insurance).
- **Kartellrechtliche Verstöße:** Risiken aus laufenden oder absehbaren Kartellverfahren.
Nexit Partners unterstützt Sie dabei, die W&I-Option frühzeitig in die Deal-Strukturierung einzubeziehen, um die Transaktionsfähigkeit Ihres Unternehmens zu erhöhen.