Private Equity im Mittelstand: Das Angebot prüfen

Erstverkauf, Rückbeteiligung und persönliche Rolle getrennt bewerten. Welche Unterlagen und Szenarien Sie für ein PE-Angebot brauchen.

Gründer von NEXIT Partners · Unternehmer und ehemaliger CFO
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Ein Finanzinvestor möchte Ihr Unternehmen erwerben und bietet Ihnen an, beteiligt zu bleiben. Sie erhalten einen Teil des Erlöses jetzt und könnten an der weiteren Entwicklung teilhaben. Das kann zu Ihren Zielen passen. Es kann aber auch bedeuten, dass Sie länger operativ gebunden bleiben und einen Teil Ihres Vermögens weiter im Unternehmen riskieren.

Die richtige Frage lautet daher nicht „Private Equity: gut oder schlecht?“, sondern: Welche Rechte, Pflichten und wirtschaftlichen Annahmen enthält dieses konkrete Angebot?

Das Geschäftsmodell des Investors verstehen

Lassen Sie sich erläutern, warum der Investor Ihr Unternehmen erwerben möchte. Geht es um eigenständiges Wachstum, ergänzende Zukäufe, operative Verbesserung oder die Einbindung in ein bestehendes Unternehmen?

Fragen Sie nach dem dafür vorgesehenen Kapital, dem verantwortlichen Team und den Entscheidungswegen. Ein Investitionsplan ohne benannte Ressourcen ist zunächst eine Absicht. Ebenso wenig lässt sich aus einer allgemeinen Fondsbeschreibung ableiten, wie Ihr Betrieb später geführt wird.

Verzichten Sie auf pauschale Mindestgrößen oder standardisierte Haltezeiten. Diese unterscheiden sich nach Investor und Strategie. Für Ihre Entscheidung zählt das tatsächlich vorgeschlagene Modell.

Finanzierung und operative Belastung zusammen betrachten

Prüfen Sie, wo Erwerbsschulden liegen, wie sie bedient werden sollen und welche Auswirkungen die Struktur auf den Betrieb haben kann. Die konkrete rechtliche und steuerliche Gestaltung gehört in die Fachberatung.

Wirtschaftlich braucht es einen Plan, der nicht nur den Kauf finanziert, sondern auch Investitionen, Working Capital und Reserven berücksichtigt. Ein hoher Erwerbspreis ist wenig hilfreich, wenn die anschließende Finanzierung die gewünschte Entwicklung nicht trägt.

Lassen Sie neben dem Basisplan ein schwächeres Szenario rechnen. Welche Zahlungen und Investitionen bleiben dann möglich? Welche Entscheidungen oder zusätzlichen Mittel wären erforderlich? Es geht um nachvollziehbare Belastbarkeit, nicht um eine pauschale Aussage gegen Fremdkapital.

Rückbeteiligung ist eine neue Investitionsentscheidung

Wenn Sie beteiligt bleiben oder einen Teil des Erlöses reinvestieren, tragen Sie weiterhin wirtschaftliches Risiko. Prüfen Sie diese Beteiligung so, als müssten Sie heute bewusst eigenes Geld neu investieren.

Eine einfache Rückbeteiligung ist nicht automatisch „Sweet Equity“. Besondere Managementbeteiligungen können andere wirtschaftliche Rechte und Bedingungen besitzen. Die Begriffe dürfen nicht austauschbar verwendet werden.

Wesentlich sind die konkrete Beteiligungsebene, Verwässerungsmöglichkeiten, Verteilung des späteren Erlöses, Informationsrechte und Ausstiegsszenarien. Ein nomineller Prozentsatz allein reicht für die Berechnung Ihres späteren Anteils nicht immer aus.

Rechenbeispiel: Was aus einer Rückbeteiligung werden kann

Angenommen, ein Eigentümer veräußert 70 Prozent bei einer vereinfachten Eigenkapitalbewertung von zehn Millionen Euro. Er erhält sieben Millionen Euro und behält 30 Prozent. Im Modell bestehen ausschließlich gleichberechtigte Anteile; weitere Investitionen, Verwässerungen, Kosten und Steuern werden ausgeblendet.

Tabelle bei Bedarf seitlich scrollen.

Späterer EigenkapitalwertRechnerischer Wert der 30 ProzentErster Erlös + späterer Beteiligungswert
5 Millionen Euro1,5 Millionen Euro8,5 Millionen Euro
10 Millionen Euro3 Millionen Euro10 Millionen Euro
20 Millionen Euro6 Millionen Euro13 Millionen Euro

Das sind Szenarien, keine Prognosen. In einer realen Struktur können andere Verteilungsrechte oder Finanzierungsänderungen das Ergebnis wesentlich verändern. Auch ein späterer Verkauf ist nicht garantiert.

Die Erlösverteilung schriftlich modellieren

Fordern Sie für eine Rückbeteiligung eine nachvollziehbare Darstellung an, wie ein späterer Erlös verteilt würde. Rechnen Sie nicht nur mit einem hohen Endwert, sondern auch mit einem niedrigeren Ergebnis und zusätzlichem Kapitalbedarf.

Wenn einzelne Beteiligungsinstrumente bevorzugte Zahlungen oder andere Rechte besitzen, muss das im Modell sichtbar werden. Die Fachberater prüfen die tatsächlichen Vereinbarungen. Erst danach ist erkennbar, welche wirtschaftliche Bedeutung Ihr ausgewiesener Prozentsatz besitzt.

Governance in Alltagssprache prüfen

Wer beschließt das Budget? Welche Investitionen benötigen Zustimmung? Wer bestellt die Geschäftsführung? Wie werden Konflikte zwischen Wachstum und kurzfristiger Ergebnisbelastung entschieden?

Wenn Sie operativ bleiben, müssen Aufgabe, Befugnisse und Erwartung zusammenpassen. Ein Ergebnisziel ohne Einfluss auf wichtige Kosten oder Investitionen kann zu Konflikten führen. Bei Earn-Out oder Managementbeteiligung werden diese Zusammenhänge besonders sorgfältig geprüft.

Lassen Sie die geplante Zusammenarbeit anhand konkreter Situationen erklären. Was passiert bei einer verfehlten Planung? Wer entscheidet über einen Zukauf? Welche Unterstützung ist verfügbar, wenn eine Führungskraft ausfällt?

Versprechen durch Unterlagen ersetzen

Bitten Sie um einen nachvollziehbaren Entwicklungsplan, die geplante Führungsstruktur und den konkreten Finanzierungsstand. Referenzgespräche können sinnvoll sein, wenn die Beteiligten dafür freigegeben sind. Sie ersetzen nicht die Prüfung Ihres eigenen Angebots.

Drei Bestandteile des Angebots getrennt ansehen

Lassen Sie sich den ersten Zufluss, die verbleibende Investition und die operative Bindung auf drei getrennten Blättern erklären. Prüfen Sie das Beteiligungsmodell auch bei fallendem Unternehmenswert und zusätzlichem Kapitalbedarf.

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Gründer von NEXIT Partners · Unternehmer und ehemaliger CFO

Ich schreibe darüber, wie Unternehmer ihre Nachfolge praktisch vorbereiten: mit nachvollziehbaren Zahlen, übertragbarer Verantwortung und einem klaren nächsten Schritt. Meine Perspektive verbindet CFO-Verantwortung, Unternehmensentwicklung und eigene Gründungen.